Häufige Fragen

  1. Die GKV modifiziert ab 1/04 die Zuzahlungen im Ambulant-, Stationär- und Zahnbereich. Kann ich diese Leistungen privat absichern?

    Die eingeführten Zuzahlungen von grundsätzlich 10 EUR pro Quartal für ambulante und zahnärztliche Behandlungen sind günstiger über private Rücklagen zu finanzieren. Für stationäre Zuzahlungen ist der Abschluss eines Krankenhaustagegeldtarifes möglich.

  2. Müssen Zuzahlungen auch von Ehepartnern und Kindern gezahlt werden, die in der Kasse im Rahmen der Familienversicherung bei einem Mitglied mitversichert sind?

    Kinder unter 18 Jahren sind grundsätzlich von Zuzahlungen befreit. Das gilt neben dem ambulanten Arzt- bzw. Zahnarztbesuch auch für Arznei- und Heil- und Hilfsmittel sowie einen Krankenhausaufenthalt.
    Kinder ab 18 und mitversicherte Ehepartner müssen dagegen überall gesondert zuzahlen (bis zu einer bestimmten Belastungsgrenze von 1% bzw. 2% der Einnahmen zum Lebensunterhalt der Familie).

  3. Wie hoch sind die Zuzahlungen bei Medikamenten, soweit keine Ausnahme vorliegt?

    Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind (wie Aspirin) oder zur privaten Lebensführung zählen (Viagra), müssen GKV-Versicherte grundsätzlich vollständig selbst bezahlen, auch wenn sie dafür von einem Arzt ein Rezept erhalten. In allen anderen Fällen beträgt die Selbstbeteiligung 10 %, mindestens jedoch 5 und maximal 10 EUR.

    Ausnahmen:

    GKV-Leistungspflichtige für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel. Kinder bis 12 Jahre oder Bundesausschuss beschließt Leistungspflicht oder medizinische Begründung.

    Keine Zuzahlungen: Kinder bis 18 Jahren.

  4. Die GKV leistet ab 2004 für Versicherte ab 18 Jahren grundsätzlich nicht mehr für Sehhilfen. Kann ich dafür eine private Ergänzung abschließen?

    Eine private Absicherung ist im Paket mit anderen Ergänzungskomponenten, z.B. Zahnersatz, Heilpraktika, Auslandsreiseschutz möglich.

  5. Was ändert sich beim Zahnersatz?

    Änderungen zum 01.01.2005 (Teil 1)

    Zahnersatz fällt aus dem GKV-Grundleistungskatalog. GKV-Mitglieder werden verpflichtet, eine separate Zahnersatzversicherung mit Leistungen in Höhe der Festzuschüsse bei GKV-Kassen oder PKV-Unternehmen abzuschließen

    GKV: Familienversicherungen, Kontrahierungszwang, umlagefinanzierte GKV-einheitliche Kopfpauschale (voraussichtlich 6-7 EUR)

    PKV: Tarif und Vertragsabschluss nach PKV-Grundsätzen (Kapitaldeckung, risikogerechte Prämie).

    Änderungen zum 01.01.2005 (Teil 2)

    Umstellung der GKV-Leistung aus sog. befundbezogene Festzuschüsse. Je nach eigener Bemühung um die Gesunderhaltung trägt die Kasse 50 %, 60% der Kosten einer befundbezogenen Versorgung (z.B. Ersatz eines fehlenden Zähnen im Seitenzahnbereich mittels Brücke oder Ersatz von mehr als 3 fehlenden Zähnen im Seitenzahnbereich mittels Modellgussprothese) in einer standardisierten Ausführung. Wählt das Mitglied eine Versorgung, die über die Standardversorgung hinausgeht, z.B. eine aufwändigere Verankerung der Zahnersatzes oder eine Brücke statt der standardgemäßen Versorgung mit einer Modellgussprothese, zahlt die Kasse auch nur den befundbezogenen Festzuschuss. Die „Mehrleistungen“ rechnet der Zahnarzt privat auf Basis der Gebührenordnung für Zahnärzte ab.

  6. Welche Lücken der GKV kann ich bereits jetzt durch private Ergänzungen schließen?

    ZE, Heilpraktiker, Brille, Auslandsschutz, Stationäre Wahlleistung

  7. Kann ich die künftige separat zu versichernde Zahnersatzleistung ebenfalls privat absichern?

    Derzeitiger Diskussionsstand innerhalb der APKV:

    Für Versicherungsnehmer, die Zahnersatz vollständig privat absichern wollen, wird die APKV voraussichtlich eine Zusatzversicherung auf den Markt bringen, die beim Zahnersatz eine deutlich höhere Leistung als die GKV bietet. Das bezieht sich sowohl auf die Erstattungssätze als auch auf die Qualität der Zahnersatzes.

    Zur Information: Die GKV leistet beim Zahnersatz anteilig nur für eine standardisierte Grundversorgung.

  8. Soll ich mit dem Abschluss einer privaten Ergänzungsversicherung abwarten, bis eine vollständige Klärung über die gesetzlichen Maßnahmen herbeigeführt ist?

    Der mit sinkenden GKV-Leistungen wachende Tarif 724 P kann auch heute schon als bedarfsgerechte Lösung für zukünftige Leistungskürzung in der GKV angeboten werden (Erstattung auch ohne GKV-Vorleistung!). In einem zweiten Schritt kann dann der Versicherungsschutz an den neu entstehenden Bedarf angepasst werden. Zusätzlicher Vorteil beim Abschluss jetzt: Bei der Beitragsberechnung in der Privaten Krankenversicherung kommt es unter anderem auch auf das Eintrittsalter und den aktuellen Gesundheitszustand an.

  9. Die Beiträge für die gesetzlichen Kassen reichen nicht mehr zur Finanzierung der bisherigen Leistungen aus. Warum werden nicht die Beiträge erhöht, sondern die Leistung gekürzt?

    Die Politik ist der Ansicht, dass der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung an einer Grenze angekommen ist, die insbesondere auch aus Arbeitsmarktgründen nicht mehr tragbar ist: Weitere Erhöhungen belasten die Arbeitskosten. Dadurch sind bestehende Arbeitsplätze und die Schaffung neuer Arbeitsplätze gefährdet. Vorrangiges Ziel ist die Senkung der Lohnnebenkosten.

  10. Welche Mehrbelastungen kommen durch die Gesundheitsreform auf die GKV-Mitglieder zu, wenn bis 2006 alle Änderungsmaßnahmen eingeführt sind?

    Die Mehrbelastungen sind abhängig vom Einzelfall sehr unterschiedlich. Entscheidend sind die Anzahl der Personen über 18 Jahren, das Familieneinkommen und natürlich die Inanspruchnahme von Leistungen.

    Bezogen auf alle GKV-Mitglieder hat die Barmer Ersatzkasse folgende Rechnung aufgestellt: „Von den zirka zehn Milliarden Euro Einspareffekten für 2004 tragen die Versicherten acht Milliarden, nur eine Milliarde kommt von den Leistungserbringern, vorzugsweise aus dem Arzneimittelbereich.“

  11. Bei den gesetzlichen Kassen werden künftig in allen Bereichen Zuzahlungen erhoben sowie einige Leistungen gekürzt. Welche Auswirkungen hat das auf die Leistungen der privaten Krankenversicherungen?

    Der Unterschied zwischen den gesetzlichen Kassen und der privaten Krankenversicherung liegt gerade darin, dass bei der GKV die Leistungen fast ausschließlich gesetzlich geregelt sind (geringer Anteile ca. 2-3% Satzungsleistungen). Dagegen beruhen bei der PKV die Leistungsansprüche auf einem Vertrag, der nicht einseitig geändert werden kann. Die Leistungen der Tarife der privaten Krankenversicherungen sind daher nicht von den gesetzlichen Leistungseinschränkungen betroffen.

  12. Worin liegen die Unterschiede zwischen den gesetzlichen Kassen und der privaten Krankenversicherung bei der Finanzierung der Leistungsausgaben.

    GKV:

    Umlagefinanzierung: Leistungsausgaben eines Jahres müssen mit den Beiträgen des gleichen Jahres finanziert werden - keine Vorsorge über Alterungsrückstellungen.

    Beitrag: Einkommensabhängig Beitragssatz der Kasse x beitragspflichtige Einnahmen(z.B. Bruttogehalt), max. BBG (03: 3.450 EUR)

    PKV:

    Kapitaldeckungsverfahren: Auf Basis bekannter altersabhängiger Leistungsausgaben wird unter Einrechnung kalkulatorischer Zinsen (z.Z. 3,5%) ein konstanter Beitrag kalkulierter- Vorsorge über Bildung von Alterungsrückstellungen.

    Beitrag: Beitrag ist abhängig vom Risiko. Bestimmungsgrößen für Risiko sind: Alter und Gesundheitszustand bei Abschluss und Geschlecht.

  13. Wo liegen die Finanzierungsschwäche der gesetzlichen Krankenkassen?

    Mit den Beiträgen eines Jahres werden im sog. Umlageverfahren die Leistungen des gleichen Jahres finanziert. Damit werden keine Rückstellungen für die mit steigendem Aller zunehmenden Krankheitsfälle gebildet. Die starke Zunahme des Seniorenanteils in der Bevölkerung wird die Umlagefinanzierung in ein paar Jahren vor riesige Probleme stellen.

    Bereits 2002 mussten die aktiv beschäftigten GKV-Mitglieder die Mitgliedergruppe der pflichtversicherten Rentner mit ca. 35,2 Mrd. EUR unterstützen. Wissenschaftliche Studien prognostizieren - ohne Reformen - für 2030 GKV-Beitragsätze von ca. 25% bis 30 %.

  14. Wie ist die Frage den Auswirkungen einer eventuellen Bürgerversicherung zu beantworten?

    Eine Bürgerversicherung würde den Anteil der Kapitaldeckung an der Finanzierung der Gesundheitswesens stark vermindern und damit die Finanzierungsprobleme im Gesundheitswesen nur vergrößern. Was mit 90% der Bevölkerung nicht funktioniert, klappt auch mit 100% nicht. Wir gehen davon aus, dass die Bürgerversicherung deshalb nicht kommen wird. Falls doch: In der Vergangenheit wurde bei Änderungen an der Versicherungspflicht der verfassungsrechtliche Vertrauensschutz der Bürger beachtet und den bereits PKV-versicherten Personen ein Bestandschutz eingeräumt. Wir gehen davon aus, dass dies auch im unwahrscheinlichen Fall der Bürgerversicherung beachtet wird.